VSSÖ Jahresrückblick 2020

Was waren die Schwerpunkte mit denen sich der VSSÖ 2021 beschäftigt hat?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die österreichische Sportartikelbranche sind bei Weitem noch nicht überstanden. Die Sportartikelbranche in Österreich ist komplex und ist stark von anderen Branchen wie z. B. Gastronomie, Hotellerie und Seilbahnen abhängig. Um in dieser schwierigen Situation für den österreichischen Sportfachhandel und die Sportindustrie die bestmöglichen Lösungen zu schaffen, ist der VSSÖ laufend im Austausch mit EntscheidungsträgerInnen aus den verschiedensten Bereichen.

In einem noch nie da gewesenen Schulterschluss über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg, haben sich INTERSPORT, SPORT 2000, Bründl Sports und die Österreichische Skiindustrie (Atomic, Fischer, Head und Blizzard) unter Federführung des VSSÖ im 2. Lockdown zusammengeschlossen. Die gebündelte Kommunikation hat u.a. darauf aufmerksam gemacht, dass 6.500 Beschäftigte im Sportartikelhandel in Österreich direkt vom Wintertourismus abhängig sind und diese Unternehmen einen angemessenen Umsatzersatz zum wirtschaftlichen Überleben in den nächsten Monaten benötigen.

Welche Erfolge konnte der VSSÖ durch seinen Einsatz verzeichnen?

Für den 2. Lockdown wurde der Sportfachhandel ursprünglich nur mit einem Umsatzersatz von 20 Prozent kolportiert. Im Schulterschluss setze sich der VSSÖ mit den oben genannten Beteiligten dafür ein, diesen Umsatz zu erhöhen. Und das mit Erfolg – er wurde auf 40 Prozent angehoben. Durch diesen Einsatz wurden dem österreichischen Sportfachhandel über 20 Millionen Euro mehr an Liquidität zur Verfügung gestellt als mit den ursprünglich geplanten 20 Prozent. Dieses Resultat wäre ohne ein geschlossenes Auftreten der Sportartikelbranche und ein unermüdliches Positionieren unserer Botschaften nicht möglich gewesen.

Für den VSSÖ ist es die oberste Priorität, die Interessen der Mitglieder zu hören, zu vertreten und Ergebnisse zu erzielen. Das passiert das ganze Jahr über – auch ohne Pandemie. In diesem Jahr sind einige vom VSSÖ durchgesetzte Forderungen in Kraft getreten, 2021 folgen weitere. Darunter u.a.:

  • die Erhöhung des Umsatzersatzes während des 2. Lockdowns von 20 auf 40 Prozent
  • die permanente Senkung des Mehrwertsteuersatzes bei Reparaturen auf 10 Prozent
  • die Einstufung des Fahrrades als „systemrelevant“ während des 1. Lockdowns und die damit verbundenen Verbesserungen für die Branche, z. B. frühzeitige Öffnung von Fahrradwerkstätten
  • die Verordnung des neuen technische Lehrberufs „Sportgerätefachkraft“ mit dem eine 360-Grad-Beratung im Sportfachhandel möglich wird
  • die Erhöhung der Förderungssumme für (E-)Transporträder sowie E-Bikes durch Gemeinden, Betriebe und Vereine mit höherem Förderungsanteil des Bundes als jener des Handels
  • Vorsteuerabzugsfähigkeit und Freistellung vom Sachbezug für Diensträder
  • die Pendlerpauschale bei Dienstfahrrädern
  • die Änderung der ISO 13993 und Vereinfachung der vorsaisonalen Überprüfung

Was ist der Status Quo?

Michael Nendwich, Sprecher Sportartikelhandel WKO: Aus gesundheitspolitischer Sicht sind die derzeit gültigen Maßnahmen absolut nachvollziehbar und notwendig. Die Gesundheit steht an oberster Stelle. Allerdings reden wir wirtschaftlich von einem absoluten Worst-Case-Szenario für den Sportartikelhandel, vor allem für jene Geschäfte in Tourismusgebieten. Der Februar ist normalerweise der stärkste Monat, der dieses Jahr nahezu komplett ausfallen wird. Wir sprechen hier von der Wintersport-Wirtschaft mit 700-800 Geschäften (praktisch ausschließlich Familienbetriebe) in touristischen Regionen, ca. 6.500 Arbeitsplätzen und 500-700 Mio. Euro Umsatz. Zusätzliche 2.000 Mitarbeiter sind in Österreich bei der heimischen Skiindustrie beschäftigt, deren wirtschaftliches Überleben ebenfalls vom touristischen Sportfachhandel abhängig ist. Wir müssen einen negativen Domino-Effekt in der heimischen Wintersport-Wirtschaft unbedingt vermeiden. Wirtschaftlich zu retten wird diese Wintersaison für den touristischen Sportfachhandel aus heutiger Sicht nicht mehr sein. Wir sprechen derzeit von Umsatzausfällen von bis zu 95%. Das geht an die betriebswirtschaftliche Substanz, daher ist jetzt rasche Liquidität für die Händler am wichtigsten.

Sind die Corona-Wirtschaftshilfen ausreichend für den Sporthandel? Wenn nein, was würden Sie sich wünschen?

Michael Nendwich, Sprecher Sportartikelhandel WKO: Der Umsatz von touristischen Sportfachhändlern besteht in diesen Wochen und Monaten regulär bis zu 70% aus Ski-Verleih, Service und Depots. Das sind Umsätze, die nicht wiedereinbringbar und verloren sind. Diese Einkünfte konnten bei dem Umsatzersatz (26.-31.12.) ursprünglich nicht mit angerechnet werden, was für viele Geschäfte existenzbedrohend wäre. Gestern wurden mit der Kombination von Umsatzersatz und Fixkostenzuschuss 2 sowie dem Umsatzverlustbonus neue Maßnahmen angekündigt, die den Verleih inkludieren. Inwiefern diese Wirtschaftshilfen wirklich ausreichend sind, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen, da die genauen Richtlinien noch nicht veröffentlicht wurden. Wenn die Umsetzung aber so ist, wie die bisherigen Stellungnahmen andeuten, sprechen wir vor allem für kleine, touristische Sportartikelhändler von einer Verbesserung.

Wie entwickelt sich Click&Collect & der Internethandel? Kann dadurch ein Teil des stationären Umsatzverlustes ausgeglichen werden?

Gernot Kellermayr, Präsident VSSÖ: In den letzten Jahren ist der Online-Anteil in der Sportartikelbranche nur langsam gestiegen. Wir haben uns bei etwa 15-20% eingependelt – und hier sehen wir auch mittelfristig die Obergrenze. Auch während der Pandemie reden wir nur von einem Zuwachs im einstelligen Prozentbereich. Sportartikel sind nach wie vor beratungsintensive Produkte, weshalb die persönliche und professionelle Beratung von den Menschen in Österreich geschätzt und nachgefragt wird. Das wird auch im Bereich „Click & Collect“ deutlich. In Österreich sprechen wir eher von einem „Phone & Collect“ Modell – das meint, dass Kunden ihre Händler anrufen und sich telefonisch oder per Video-Call beraten lassen. Abfedern können diese Modelle den Umsatzverlust des stationären Handels auf keinen Fall.