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Eurobarometer 574: Österreich bewegt sich häufig – vor allem im Alltag und im Freien

Österreich zählt bei Alltagsbewegung und Outdoor-Aktivität zu den aktivsten Ländern der EU. Das neue Special Eurobarometer 574 zeigt, wo Bewegung stattfindet, welche Hürden bestehen und welche Bedeutung Sportartikelindustrie und Sportfachhandel in diesem Umfeld haben.

Die Erhebung wurde im April und Mai 2026 in allen 27 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Befragt wurden mehr als 26.500 Personen. Die Ergebnisse werden mit der Erhebung aus dem Jahr 2022 verglichen.

©SCOTT

Mehr Bewegung in der EU

47 % der Befragten in der EU treiben mindestens mehrmals pro Woche Sport. Gleichzeitig ist der Anteil jener, die nie Sport treiben, gegenüber 2022 um sechs Prozentpunkte auf 39 % gesunken.

Noch häufiger bewegen sich die Menschen außerhalb eines klassischen Sportkontexts – etwa beim Gehen, Radfahren oder auf dem Weg zur Arbeit. 71 % tun dies mindestens mehrmals pro Woche. 72 % gehen an vier bis sieben Tagen pro Woche mindestens zehn Minuten am Stück.

Bewegung findet damit nicht nur im Sportverein oder in einer Sportstätte statt, sondern auch im Alltag, im öffentlichen Raum und in der Natur.

Österreich bewegt sich im Alltag und im Freien

Österreich liegt bei der Alltags- und Outdoor-Aktivität im europäischen Spitzenfeld. 50 % der Befragten bewegen sich aus nicht sportbezogenen Gründen mehrmals pro Woche – gemeinsam mit Luxemburg der höchste Wert in der EU.

66 % der körperlich aktiven Österreicher:innen bewegen sich in Parks oder im Freien. Gemeinsam mit Finnland und Slowenien liegt Österreich damit an der Spitze der EU. Für 45 % gehört Bewegung außerdem dazu, von einem Ort zum anderen zu gelangen – etwa zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Auch beim regelmäßigen Gehen zeigt sich eine deutliche Entwicklung: 67 % gehen an vier bis sieben Tagen pro Woche mindestens zehn Minuten am Stück. Gegenüber 2022 ist dieser Wert um 22 Prozentpunkte gestiegen – der stärkste Zuwachs in der EU gemeinsam mit Lettland.

Auch die Rahmenbedingungen werden in Österreich positiv bewertet:

  • 85 % sehen in ihrem lokalen Umfeld viele Möglichkeiten, körperlich aktiv zu sein.
  • 90 % bewerten die Möglichkeiten zum Zufußgehen als angemessen.
  • Bei der Rollstuhlmobilität erreicht Österreich mit 64 % Zustimmung gemeinsam mit Tschechien und Polen den höchsten Wert in der EU.

Für die Fahrradbranche zeigt sich daran: Infrastruktur und politische Rahmenbedingungen beeinflussen, ob das Fahrrad vor allem in der Freizeit oder auch im Alltag genutzt wird.

Bewegung hat auch wirtschaftliches Gewicht

Eurobarometer beschreibt das Bewegungsverhalten der Bevölkerung. Die Marktzahlen des VSSÖ zeigen die wirtschaftliche Dimension: Der österreichische Sport- und Fahrradfachhandel erzielte 2025 einen Umsatz von rund 2,41 Milliarden Euro. Rund 14.370 Menschen arbeiten in österreichischen Sportartikelgeschäften.

Auch im Pro-Kopf-Vergleich ist der österreichische Sportfachhandel stark: 2025 entfielen durchschnittlich 261 Euro pro Person auf den Sportfachhandel, in Deutschland waren es 166 Euro.

Die Daten sind nicht direkt miteinander gleichzusetzen. Zusammen zeigen sie jedoch: Sport und Bewegung sind in Österreich gesellschaftlich relevant und schaffen Wertschöpfung im Handel, in Werkstätten, im Tourismus und in den Regionen.

Fahrrad verbindet Freizeit, Sport und Mobilität

Im Fahrradsegment zeigt sich diese Verbindung besonders deutlich. 2025 wurden rund 389.000 Fahrräder an den österreichischen Sport- und Fahrradfachhandel abgesetzt. Der Fahrradumsatz stieg auf 1,097 Milliarden Euro; 79 % davon entfielen auf E-Bikes.

Auch die Nachfrage entwickelt sich weiter: Gravel-Bikes legten um 48,3 % zu, Trekking- und SUV-E-Bikes um 18 %. Die Zahlen zeigen, dass Fahrräder unterschiedliche Bedürfnisse abdecken – von Sport und Outdoor-Aktivität bis zur Alltagsmobilität.

Österreich bleibt stark freizeit- und tourismusorientiert. Gleichzeitig besteht Potenzial, das Fahrrad und insbesondere das E-Bike noch stärker im Alltag zu nutzen. Dafür braucht es sichere Radwege, verlässliche politische Rahmenbedingungen und passende Angebote.

Beratung und Service bleiben entscheidend

Mit der Vielfalt der Nutzung steigen auch die Anforderungen an Produkte und Beratung. Ein E-Bike für den Arbeitsweg stellt andere Anforderungen als ein Modell für Touren oder den Urlaub. Auch bei Gravel-Bikes und Outdoor-Ausrüstung zählen Passform, Sicherheit und die richtige Anwendung.

Hier liegt eine zentrale Stärke des stationären Fachhandels. Beratung, Werkstatt, Reparatur und Individualisierung schaffen einen konkreten Mehrwert, den ein rein digitaler Verkauf nicht ersetzen kann.

Die Marktzahlen des VSSÖ zeigen, dass Kund:innen gerade bei technisch anspruchsvollen Produkten gezielt Fachkompetenz suchen. Das gilt für den Kauf ebenso wie für Wartung, Anpassung und Reparatur.

Zeit, Kosten und Zugang bleiben Herausforderungen

Trotz der positiven Entwicklung bestehen weiterhin Hürden. EU-weit nennen 37 % der Befragten fehlende Zeit als wichtigsten Grund, warum sie sich nicht regelmäßiger bewegen. 26 % nennen fehlende Motivation oder fehlendes Interesse. Weitere Barrieren sind gesundheitliche Probleme und die Kosten.

In Österreich geben 61 % der Befragten weniger als 50 Euro pro Monat für Sport und Bewegung aus. 27 % liegen zwischen 50 und 99,99 Euro – gemeinsam mit Zypern der höchste Wert in der EU.

Die Zahlen sind keine Umsatzprognose. Sie zeigen aber, dass Leistbarkeit und unterschiedliche Budgets für Industrie und Handel relevante Themen bleiben.

Sport ist auch eine Frage der Teilhabe

90 % der Österreicher:innen stimmen zu, dass Sport und Bewegung die mentale Gesundheit verbessern. 78 % sehen darin einen Beitrag zum Aufbau von Gemeinschaft. Dieser Wert liegt unter dem EU-Durchschnitt von 86 %.

Auch bei Gleichstellung und Teilhabe zeigen die Daten ein gemischtes Bild. 79 % stimmen zu, dass weibliche Vorbilder im Sport mehr Frauen und Mädchen inspirieren. Gleichzeitig verfolgen 53 % Frauensport in den Medien ebenso gerne wie Männersport; 46 % stimmen dieser Aussage nicht zu.

Sport braucht daher nicht nur geeignete Produkte und Infrastruktur. Es geht auch um Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und die Möglichkeit, unterschiedliche Gruppen dauerhaft zu erreichen.

Einordnung des VSSÖ

Das Eurobarometer zeigt: Österreich bewegt sich häufig, besonders im Alltag und im Freien. Die Marktzahlen des VSSÖ machen sichtbar, welche wirtschaftliche Bedeutung diese Entwicklung für Sportartikelindustrie und Sportfachhandel hat.

Die Branche ist Teil eines größeren Systems aus Bewegung, Infrastruktur, Beratung, Sicherheit und Service. Industrie und Handel stellen nicht nur Produkte bereit, sondern tragen gemeinsam mit Politik, Gemeinden, Tourismus und Sportorganisationen dazu bei, Bewegung sicher und zugänglich zu machen.

Quellen: 

  • Europäische Kommission, Special Eurobarometer 574 „Sport and physical activity“, Erhebung April/Mai 2026. Hier geht’s zum Original-Dokument.
  • ARGE Fahrrad/VSSÖ: Factbox zur österreichischen Fahrradindustrie 2025
  • VSSÖ: Factbox zum österreichischen Sportfachhandel 2025
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